Temperatur-Screening mit Durchgangsdetektor

Autor
André Günther
Datum
1.7.2023

Ein Besucher geht durch den Metalldetektor, die Waffen­kontrolle läuft – und gleichzeitig wird berührungslos seine Körpertemperatur erfasst. Kein zweiter Checkpoint, kein zusätzliches Personal, kein Stau. Was nach Zukunftsmusik klingt, ist mit dem Garrett SmartScan längst Realität.

Die Pandemie hat vieles verändert. Eines der Dinge, die geblieben sind: das Bewusstsein, dass Menschenansammlungen und Infektionsrisiken zusammengehören. Flughäfen, Häfen und Bahnhöfe screenen seit Jahren auf erhöhte Körpertemperaturen. Doch für Gerichte, Veranstaltungshallen, Logistikzentren oder Behörden war das lange keine Option – nicht weil der Bedarf fehlte, sondern weil die Umsetzung zu aufwendig war.

Kontaktlose Temperaturmessung per Stirnthermometer erfordert einen Mitarbeiter, der jeden einzelnen Besucher misst, einen Mindestabstand einhält und bei Auffälligkeiten reagiert. Bei hundert Besuchern pro Stunde ist das machbar. Bei tausend wird es zum Flaschenhals. Bei fünftausend – Stadion, Messe, Großveranstaltung – ist es schlicht nicht mehr durchführbar, ohne den gesamten Einlass zum Erliegen zu bringen.

Die Frage, die sich daraus ergibt, ist eigentlich naheliegend: Wenn ohnehin jeder Besucher durch einen Durchgangsdetektor gehen muss – warum nicht diesen Moment nutzen, um gleichzeitig die Temperatur zu messen?

temperatur-messung

Ein Modul, zwei Funktionen, kein zusätzlicher Schritt

Genau das ist die Idee hinter dem Garrett SmartScan. Das Modul wird als Aufsatz auf dem Torbogen eines bestehenden Garrett-Durchgangsdetektors montiert – konkret auf dem PD 6500i oder dem MZ 6100. Sobald eine Person den Detektor passiert, erfasst das SmartScan-Modul per Infrarot-Sensor deren Körpertemperatur. Der gesamte Vorgang geschieht berührungslos und in derselben Zeitspanne, die der Metalldetektor ohnehin für seine Analyse braucht. Es gibt keinen zweiten Halt, keine zweite Station, keinen zweiten Mitarbeiter.

Die Rückmeldung funktioniert über ein einfaches Ampelsystem: „Weitergehen" oder „Stehenbleiben". Das Signal geht gleichzeitig an die durchgehende Person und an den Bediener. Wer unauffällig ist, merkt vom Temperatur-Screening praktisch nichts – und genau das ist gewollt. Diskretion gehört zu den Kernanforderungen, insbesondere in Behörden und bei öffentlichen Veranstaltungen, wo niemand vor anderen Besuchern als potenziell krank herausgestellt werden möchte.

Nachrüstbar statt Neuanschaffung

Ein wesentlicher Punkt in der Praxis: Das SmartScan ist kein eigenständiges Gerät, das neben dem Detektor aufgebaut wird, sondern ein Nachrüstmodul für eine bestehende Infrastruktur. Wer bereits Garrett-Durchgangsdetektoren im Einsatz hat – und das sind in Europa sehr viele Einrichtungen –, kann die Temperaturmessung als Funktion hinzufügen, ohne die bestehende Kontrollstation umzubauen.

Das Modul wird oben auf dem Torbogen montiert und ist in zwei Breiten erhältlich: 76,2 cm für Standard-Durchgänge und 82,6 cm für barrierefreie Durchgänge. Es arbeitet batteriebetrieben mit einem Lithium-Akkupack, der rund acht Stunden unabhängigen Betrieb ermöglicht – genug für einen vollen Veranstaltungstag ohne Steckdose. Die Selbstkalibrierung passt die Messwerte automatisch an die Umgebungstemperatur an, sodass weder bei sommerlicher Hitze noch in zugigen Eingangsbereichen im Winter nachjustiert werden muss.

Temperaturmessung und Metalldetektion laufen dabei wahlweise gekoppelt oder unabhängig voneinander. In einem Logistikzentrum etwa, in dem der Diebstahlschutz nur beim Verlassen relevant ist, kann morgens beim Betreten ausschließlich die Temperatur geprüft werden, während die Metalldetektion auf null steht. Beim Schichtwechsel schaltet der Bediener beides scharf.

Netzwerkfähig und zentral steuerbar

Für Einrichtungen mit mehreren Kontrollpunkten – große Behörden, Messegelände, Stadien – kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Die Durchgangsdetektoren sind netzwerkfähig. Über Garretts iC-Modul lassen sich mehrere Detektoren per Ethernet oder WLAN mit einem zentralen Rechner verbinden. Von dort aus kann ein Sicherheitsverantwortlicher in Echtzeit den gesamten Einlassverkehr überwachen – inklusive Temperaturalarme, Durchgangszahlen und Alarmstatistiken. Der interne Datenspeicher protokolliert sämtliche Einstellungsänderungen und jeden einzelnen Durchgang zur späteren Analyse.

Das klingt nach Überwachung, ist aber vor allem Logistik. Wer bei einer Großveranstaltung zwanzig Eingänge gleichzeitig betreibt und einen Temperaturalarm an Gate 14 bekommt, muss nicht erst einen Mitarbeiter hinschicken, um nachzufragen, was passiert ist. Er sieht es auf dem Bildschirm.

Was das SmartScan kann – und was nicht

Ein Punkt, der in der Diskussion um Temperatur-Screenings gelegentlich untergeht: Das SmartScan ist ein technisches Screening-Instrument, kein medizinisches Diagnosegerät. Es misst die Körpertemperatur mit einer Genauigkeit von ±0,5 °C (optional ±0,2 °C mit Referenztemperaturquelle) und erkennt zuverlässig Personen mit deutlich erhöhter Temperatur. Was es nicht kann: eine Diagnose stellen. Eine erhöhte Temperatur kann auf eine Infektion hindeuten – sie kann aber auch durch körperliche Anstrengung, warme Kleidung oder schlicht einen heißen Kaffee kurz vor dem Einlass entstehen.

In der Praxis bedeutet das: Das SmartScan ist ein Filterinstrument. Es identifiziert Personen, die einer genaueren Prüfung unterzogen werden sollten. Die eigentliche medizinische Bewertung – ob es sich um Fieber handelt und welche Maßnahmen daraus folgen – obliegt geschultem Fachpersonal. Genau so ist das System konzipiert: als erste Verteidigungslinie, die den Regelfall schnell durchlässt und den Ausnahmefall sichtbar macht, ohne den Betriebsablauf zu belasten.

Wer bereits Sicherheitsschleusen betreibt, hat die Infrastruktur für Temperatur-Screenings im Grunde schon stehen. Es fehlt nur das letzte Modul.— André Günther, Geschäftsführer DTI Security

Für wen das relevant ist

Die naheliegendsten Einsatzfelder liegen dort, wo ohnehin Durchgangsdetektoren im Einsatz sind und gleichzeitig ein Interesse an der Gesundheitskontrolle besteht. In der Personenbeförderung – Flughäfen, Fährterminals, Fernbusbahnhöfe – ist Temperatur-Screening längst Standard. Das SmartScan integriert es in den bestehenden Sicherheitscheck, statt es als zusätzlichen Prozess danebenzustellen.

In Behörden und Gerichten, wo die Einlasskontrolle seit 2017 ohnehin vorgeschrieben ist, ergibt sich eine elegante Doppelnutzung: Die bestehende Sicherheitsschleuse wird um eine Gesundheitskomponente erweitert, ohne dass Besucher einen zusätzlichen Engpass passieren müssen. Ähnliches gilt für Veranstaltungen – vom Stadion über Messen bis zur Konzerthalle –, wo Durchsatz und Sicherheit gleichzeitig gewährleistet sein müssen.

Und dann sind da die Einsatzfelder, an die man nicht sofort denkt: Produktionsbetriebe und Logistikzentren, in denen hunderte Mitarbeiter pro Schicht durch eine Kontrollstelle gehen. Hier geht es nicht nur um Infektionsschutz, sondern auch um Betriebskontinuität. Wer frühzeitig erkennt, dass sich in einer bestimmten Schicht auffällig viele Temperaturalarme häufen, kann reagieren, bevor ein ganzer Standort ausfällt.

Hinweis: Das Garrett SmartScan ist ein technisches Screening-Instrument zur Personenkontrolle und kein medizinisches Diagnosegerät. Eine vom SmartScan angezeigte erhöhte Körpertemperatur sollte stets von qualifiziertem Fachpersonal mit medizinischer Ausrüstung überprüft und bestätigt werden. Das SmartScan ersetzt keine ärztliche Untersuchung.