Mini-Handys in Gefängnissen
Das renommierte US-Fachmagazin Security Management widmet sich in seiner März-Ausgabe einer Bedrohung. Sie beschäftigt europäische Justizvollzugsanstalten zunehmend. Es geht um Miniatur-Mobiltelefone. Sie sind so klein, dass sie sich in Körperhöhlen verstecken lassen. DTI-Geschäftsführer Andre Günther wurde als Branchenexperte für den Artikel interviewt.
Wer sich mit der Sicherheit in Justizvollzugsanstalten beschäftigt, kennt diesen Grundsatz. Die Kontrolle über die Kommunikation zwischen Innen- und Außenwelt ist ein Grundpfeiler des Systems. Häftlinge telefonieren über überwachte Leitungen. Besuche finden unter Aufsicht statt. Post wird gelesen. Das alles funktioniert, solange kein unkontrolliertes Telefon ins Spiel kommt.
Genau das passiert seit einigen Jahren immer häufiger. Miniatur-Handys, manche kaum größer als ein Feuerzeug, sind heute für wenige Euro auf Amazon oder Alibaba zu bestellen. Sie passen in eine geschlossene Faust, in einen Schuh, und, so unangenehm das klingt, in Körperhöhlen. Dort erkennt sie kein herkömmlicher Durchgangsdetektor. Zu wenig Metall. Die verbaute Menge ist schlicht zu gering und fällt im Rauschen eines menschlichen Körpers nicht auf.
Das Problem ist kein Randphänomen. Es ist ein ernstes Sicherheitsrisiko für ganz Europa. Das beleuchtet das Fachmagazin Security Management in seiner Ausgabe vom März 2026. Herausgeber ist ASIS International, der weltweit größte Berufsverband für Sicherheitsmanagement. Autorin Megan Gates zeichnet nach, wie organisierte Kriminalität ihre Geschäfte aus der Zelle heraus weiterführt. Ihr Artikel trägt den Titel „A Small but Mighty Problem: Tracking Down Mini Cellphones in Prisons".
Europol warnt: Kriminelle Netzwerke operieren aus der Haft
Die Dimension, die Gates beschreibt, ist beunruhigend. In ihrer Bedrohungsanalyse von 2025 stellt Europol etwas Neues fest. Die Fernsteuerung krimineller Operationen aus Gefängniszellen hat eine neue Qualität erreicht. Kriminelle Anführer erteilen von innen Befehle. Es geht um Drogenlieferungen, Waffengeschäfte und, im dokumentierten Extremfall, Auftragsmorde. Ein von Europol als hochrangiges Ziel geführter Balkan-Anführer koordinierte sein gesamtes Netzwerk per Miniaturtelefon aus seiner Zelle. Nachdem er 2024 freikam, soll er einen Zeugen in einem laufenden Gerichtsverfahren professionell haben beseitigen lassen.
In Frankreich eskalierte die Lage. Im Mai 2025 griffen die Behörden zur „Opération Prison Break". Sie durchsuchten 66 Haftanstalten gleichzeitig und filzten fast 500 Zellen. Sichergestellt wurden 164 Telefone, davon 88 Miniaturgeräte. Parallel legten die Ermittler den französischen Online-Vertrieb OPORTIK still. Über diesen Kanal waren rund 5.000 Miniaturtelefone in Umlauf gekommen.
Das technische Dilemma
Für den technischen Hintergrund hat Security Management unter anderem mich als Geschäftsführer von DTI Security befragt. Der Kern des Problems ist schnell erklärt. Herkömmliche Durchgangsdetektoren wurden für Waffen konzipiert. Für Pistolen, Messer, Metallwerkzeuge. Ein Miniaturhandy enthält so wenig Metall, dass es unterhalb der Alarmschwelle bleibt. Dreht man die Empfindlichkeit hoch genug, reagiert der Detektor auf Gürtelschnallen, Hosenknöpfe und Reißverschlüsse. Die Fehlalarmrate legt dann den Betrieb praktisch lahm.
„Die Metallmenge in diesen kleinen Geräten ist extrem gering. Das macht die Detektion mit herkömmlichen Metalldetektoren sehr viel schwieriger."Andre Günther, Geschäftsführer DTI Security, im Security Management Magazine
Alternative Technologien lösen das Problem nur bedingt. Röntgen-Körperscanner machen die Geräte zwar sichtbar. Sie arbeiten aber mit ionisierender Strahlung. Beim täglichen Einsatz an Besuchern und Personal ist das ein gesundheitliches Risiko. Bei Schwangeren ist er ohnehin ausgeschlossen. Millimeterwellenscanner kennt man von Flughäfen. Sie tasten die Körperoberfläche ab. Objekte in Körperhöhlen oder tiefen Hautfalten erfassen sie aber nicht. Für den Anwendungsfall „Mini-Handy in einer JVA" sind sie damit ungeeignet.
66 Zonen machen den Unterschied
Die technische Antwort kam in den vergangenen zwei Jahren. Durchgangsdetektoren einer neuen Generation arbeiten mit 66 unabhängigen Detektionszonen. Dahinter steckt keine rohe Empfindlichkeitssteigerung, sondern eine intelligente Lokalisierung. Der Detektor meldet nicht nur Alarm oder kein Alarm, sondern zeigt dem Sicherheitspersonal auf einer Körpergrafik, wo genau das verdächtige Objekt sitzt. So unterscheidet er eine Gürtelschnalle auf Hüfthöhe von einem Miniaturtelefon in einer Körperhöhle.
Wie wirksam das ist, zeigt ein dokumentierter Fall aus Deutschland. Eine Justizvollzugsanstalt kämpfte seit Jahren mit demselben Problem, denn ihr bestehender Detektor spürte Mini-Handys nur auf, wenn er bei jedem zweiten Besucher Fehlalarm auslöste. In einer einwöchigen Testphase mit einem 66-Zonen-Detektor stellte das Personal dann rund ein Dutzend Miniaturtelefone sicher, versteckt bei Besuchern und Insassen, teilweise im Mundraum. Die Einrichtung orderte daraufhin zehn Geräte.
Ein Vorteil gegenüber der Röntgentechnik wiegt schwer. Diese Detektoren arbeiten ohne ionisierende Strahlung und eignen sich damit für den mehrfach täglichen Einsatz am selben Personenkreis, wie ihn der Vollzugsalltag verlangt. Für Schwangere und Personen mit Herzschrittmacher gilt das zügige Durchschreiten als unbedenklich, und wer unsicher ist, kann eine Handkontrolle verlangen.
Die unterschätzte zweite Verteidigungslinie
Ein Punkt kommt im Security Management-Artikel ebenfalls zur Sprache. Mir ist er als Berater besonders wichtig. Der Eingang einer JVA ist nicht die einzige Stelle für einen Durchgangsdetektor. In der Praxis kommen Mobiltelefone nicht nur über Besucher herein. Sie kommen auch über interne Wege. Die Anstalts-Wäscherei gilt als klassischer Schmuggelkanal. Ebenso kritisch sind die Übergänge zu den Werkstattbereichen. Dort arbeiten Insassen mit Metallwerkzeugen. Diese Werkzeuge dürfen nicht als Waffen in andere Bereiche gelangen.
Ein durchdachtes Sicherheitskonzept verteilt Durchgangsdetektoren deshalb auf mehrere neuralgische Punkte, nicht nur auf den Haupteingang. Bei vielen Einrichtungen ist dieser Gedanke noch nicht angekommen. Wir bei DTI sprechen ihn in der Beratung regelmäßig an.
Frankreich zieht die Konsequenzen
Die politische Ebene nimmt das Thema mittlerweile ernst. Das zeigt die Entwicklung in Frankreich. Justizminister Gérald Darmanin verlegte im Juli 2025 hundert Insassen in die Hochsicherheitsanstalt Vendin-le-Vieil. Ihr Trakt für die Bekämpfung organisierter Kriminalität ist mit Mobilfunkblockern und Drohnenabwehr ausgestattet. In den Besuchsräumen kamen Glastrennwände hinzu. Sie unterbinden die physische Übergabe von Gegenständen.
Im November 2025 ging Darmanin noch weiter. Er kündigte seinen „Null-Mobiltelefon-Plan" für sechs französische Gefängnisse an. Darunter ist das traditionsreiche Pariser Gefängnis La Santé. Die Anstalten sollen neue Sicherheitsschleusen, Millimeterwellenscanner und Störsender erhalten. Auch die Freigangshöfe werden überdacht, gegen das Hineinwerfen von Handys. Das soll bis 2026 abgeschlossen sein.
Was das für den deutschen Markt bedeutet
Deutschland steht vor denselben Herausforderungen. Die Miniaturisierung der Geräte schreitet weiter voran. Der Online-Handel macht sie für jeden verfügbar. Die organisierte Kriminalität nutzt jede technologische Lücke. Der Artikel im Security Management Magazine macht eines deutlich. Die Antwort liegt nicht in einer einzelnen Technologie, sondern in einer Kombination. Hochsensitive Detektionstechnik steht an mehreren Kontrollpunkten. Signalstörer und bauliche Maßnahmen ergänzen sie.
Für diese Bestandsaufnahme hat ASIS International den Blick auch nach Deutschland gerichtet. DTI wurde als Gesprächspartner herangezogen. Das sehen wir als Bestätigung unserer Arbeit in diesem Segment. Wir beraten seit Jahren Justizvollzugsanstalten und Behörden. Es geht um die Auswahl, die Positionierung und den Betrieb von Sicherheitsschleusen. Genau dieses Praxiswissen hat das Magazin für seinen Artikel gesucht.
Im Artikel referenziert
Garrett Paragon: 66-Zonen-Durchgangsdetektor mit Mini-Handy-Diskriminierung
Der im Security Management Magazine beschriebene Durchgangsdetektor mit 66 Pinpoint-Detektionszonen. In einer deutschen JVA stellte er innerhalb einer Woche rund ein Dutzend Miniaturtelefone sicher. Strahlungsfrei, IP65-zertifiziert, konzipiert für den Dauereinsatz im Vollzug. Ob das Setup zu Ihrer Anstalt passt, klären Sie mit uns in einem kurzen Erstgespräch.
Technische Details & Datenblatt
Quelle: Megan Gates, „A Small but Mighty Problem: Tracking Down Mini Cellphones in Prisons", Security Management Magazine, ASIS International, 16. März 2026.
Vollständiger Artikel auf asisonline.org
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